Tahrir-Platz-Revolutionäre - Demokratie wahr werden lassen
Platz der Freiheit (Foto: Mike Brown)Die Dialogreihe "Demokratie wahr werden lassen" ging am 12. Januar 2012 zu Ende. 32 Menschen sprachen jeweils kanpp 2 Minuten darüber, was sie aus dieser Konferenz mitnahmen und was sie im Anschluss daran in die Tat umsetzen wollen. Unter ihnen waren Revolutionäre des Tahrir-Platzes, die den Arabischen Frühling repräsentierten.
Während der Dialogreihe "Demokratie wahr werden lassen" fand täglich eine Veranstaltung zum Thema "Mut zur Aktion haben" statt. Am letzten Tag der Konferenz (12. Januar) sprachen 32 Menschen jeweils knapp 2 Minuten lang über ihr Fazit zur Konferenz und das, was sie danach umsetzen wollen.
Von Anfang an war die Dialogreihe daraufhin angelegt worden, ein Modell an "einschliessender und reagierender" Demokratie zu sein, wo "jede Stimme gehört werden kann".
Nach einem Studentenführer aus Indonesien sprach Lesothos Justizminister. Ein ägyptischer Architekturdozent teilte sich das Mikrofon mit einem indischen Medienstudenten, der gekommen war, die Konferenz zu fotografieren.
Einer derjenigen, die aufstanden, war Praghat Kumar, Kabinettssekretär von drei indischen Premierministern. "Für mich zählen diese vier Tage zu den denkwürdigsten meines Lebens...Ich habe mehr über Demokratie gelernt als je zuvor. Wir haben gelernt, dass wir für eine neugeschaffene Zukunft, ...die die Altlasten der Vergangenheit loswerden möchte, den kollektiven Willen und das kollektive Handeln der Menschen brauchen." Als Präsident des IC-Zentrums für Leiterschaft in Delhi versprach er, das Zentrum würde die "Absichten und Entscheidungen" der Dialogreihe aufgreifen und aufarbeiten.
Prabhat Kumar (rechts) auf dem Platz der Freiheit(Foto: Mike Brown)
Das Zentrum für Leiterschaft fühlte sich den Herausforderungen, denen sich der Südsudan als jüngste Demokratie der Welt gegenübersieht, eng verbunden.
Richter John Gatwech Lul, Vorsitzender der südsudanesischen Antikorruptionskommission, nannte das IofC-Zentrum Asia Plateau "ein Zentrum für wahre Demokratie".
An zwei Nachmittagen wurde auf dem "Platz der Freiheit" - einer offenen Terrasse vor dem Haus - ein offenes Forum abgehalten, das Raum für die vielen gab, die sich offen äussern und Erfahrungen austauschen wollten. Die Webseite (www.makingdemocracyreal.org) verfügt über eine aktive "Freiheitspinnwand", auf der alle möglichen Gedanken ausgedrückt werden - und sie ist immer noch offen für jeden, der sich beteiligen möchte.
Workshops am Nachmittag erfreuten sich eifriger Nachfrage. Es ging um Themen wie "Die Herausforderungen der Demokratie - Korruption angehen" und "Partizipative Demokratie von unten aufbauen". Ein herausragendes Beispiel war die Sozialaktivistin Aruna Roy, deren Organisation, ausgehend von einem Dorf in Rajasthan, daran beteiligt war, dass die starke "Ein Recht auf Information" (Right to Information RTI)-Gesetzesvorlage vom indischen Parlament verabschiedet wurde. Sie berichtete von 100 000 Dorfbewohnern, die in "sozialen Prüfungen" dahingehend ausgebildet wurden, Korruption innerhalb der Regierung aufzudecken und 20 Millionen Dollar wurden durch die 300 000 Beschwerden, die unter dem RTI eingereicht wurden, zurückgegeben.
Die grösste Delegation kam aus Ägypten. Anissa Hassouna vom ägyptischen Rat für Aussenpolitik, verglich den Übergang zur Demokratie in ihrem Land mit einer schmerzhaften Geburt - noch schwieriger jetzt, nachdem die Ärzte hinausgeworfen wurden! Der einzige Weg nach vorne, sagte sie, bestehe darin, dass die Hauptakteure - das Militär, die islamistischen Kräfte, liberale Gruppen und die Jugend, die "die Veränderung bewirkt hat" - ihre Karten offen auf den Tisch legen und miteinander reden.
Tahrir-Platz-Revolutionäre(Foto: Mike Brown)Zwei junge "Revolutionäre" des Tahrir-Platzes bewiesen ihre Offenheit für einen solchen Ansatz. Indem sie leidenschaftlich von ihrer Unterstützung für die "Mütter der Märtyrer" und für die 1200 Militärprozesse sprach, die im Gange sind, sagte eine von ihnen, es bräuchte Zeit, aber "wir werden die reaktionären Regimes niederschlagen, die keine Demokratie in einem arabischen Land sehen wollen." Ein anderer sprach über Gandhis Rat an Nehru - "Wenn du der Arroganz der Macht mit der Arroganz der Revolution entgegen trittst, wird ihre Macht dich schlagen!" - und sagte als Schlussfolgerung, Demut in ihrem Kampf sei nun ihre grösste Stärke.
Die Veranstaltungen früh am Morgen unter dem Motto "Den Quellen der Demokratie Nahrung verschaffen" vermittelte Tiefe und einen realistischen Ansatz, als die Teilnehmer sich über Ansätze zur Reflektion und zu moralischer Veränderung austauschten. Ein Abend über "Verletzungen der Vergangenheit" offenbarte bewegende Geschichten über Australiens nationale Entschuldigung gegenüber den Ureinwohnern, eine junge Libanesin, die durch Bildung daran arbeitet, Brücken zu schlagen über religiöse Gräben hinweg und einer der "Verlorenen Jungen" aus dem sudanesischen Krieg berichtete von seiner langen Reise vom Hass zur Heilung.
"Wir haben gelernt, dass Gerechtigkeit anzuwenden viel schwieriger ist, als Ungerechtigkeit abzuschaffen.", schlussfolgerte Prabhat Kumar. "Demokratie ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Die Idee hinter der Organisation dieser Konferenz war nicht, vorgefertigte Antworten zu liefern, sondern einen Dialog zu beginnen. Dieses Ziel wurde erreicht.", sagte er. "Jetzt geht es darum, dieses Gespräch zu vertiefen und zu erweitern."
Das Gespräch geht im Internet weiter. Auf YouTube finden Sie 10 Videos auf der Asia Plateau-Seite www.youtube.com/user/AsiaPlateau
Sie können auch die Eröffnungsveranstaltung der Konferenz (mit Videos von Aung San Suu Kyi und Rajmohan Gandhi) einsehen, ebenso den Bericht des 2. Konferenztages mit der Rede von Dr Riek Machar. Ausserdem finden Sie hier den Bericht über den malaysischen Oppositionsführer Anwar Ibrahim, der über das Diktat des Gewissens sprach.
Weitere Berichte, Redetranskripte und Quellen unter: www.makingdemocracyreal.org



